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Posts Tagged ‘rosarotte Brille’

Sie ist wohl das heiß begehrteste Accessoire des Frühlings. Wer sie trägt, hat ein wahres Schnäppchen gemacht. Denn sie gibt es nur im Paket zu kaufen. Im Paket mit zufriedenem Lächeln, Augen, die mehr strahlen als die Frühlingssonne und einem Teint, der immer etwas leuchtender aussieht als normal: die rosarote Brille.

Aber wie viel Must Have steckt wirklich in den Gläsern mit Prinzessinenfarbe?

Keine Frage, sie sieht toll aus. „Ich hab einfach kein Brillengesicht.“ – Dieser Satz war gestern. Das rosarote Prachtstück verschönert einfach jeden. In Kombination mit der neu gewonnenen, zum Quietschen glücklichen Ausstrahlung, steht der Modelkarriere des Brillenbesitzers nichts mehr im Weg.

Also tolles Aussehen für die Ewigkeit? Mitnichten!!!

Die traurige Wahrheit: Die rosarote Brille ist ein Blender!

Ehemalige Träger berichten von unerklärlichen Sinnestäuschungen und Verhaltensveränderungen. Körperproportionen anderer Menschen können plötzlich nicht mehr richtig eingeschätzt werden. Die Fähigkeit scheinheilige Ausreden zu entlarven, geht mit Aufsetzen des Designerstücks anscheinend vollkommen verloren. Der gesunde Menschenverstand beim Treffen von Entscheidungen scheint oftmals regelrecht ausgeschalten zu sein. Wörter wie „Pessimismus“, „Bedenken“ und „Vorsicht“ sind in den Wortschätzen der Brillenträger von einem Tag auf den nächsten nicht mehr vorhanden. Gelöscht von der Festplatte. Ersetzt durch vermeintliche Boten des Glücks. „Traumprinz“, „Mr. Big“, „zukünftiger Ehemann“, „Vater meiner Kinder“, „Umzugsunternehmen“ und „Ikea“ nisten sich wie Viren in das tägliche Vokabular ein. Warnungen von Freunden werden verächtlich als Neid entlarvt. Happy-Go-Lucky. Nichts bringt den Brillenträger dazu, über Bord des Traumschiffes der Liebe zu gehen.

Fast nichts.

Trüb. Trübheit wohin das Auge reicht. – Die Lebensdauer der Gläser des Glücks ist enttäuschend. Kaum existent. Umtausch ausgeschlossen. Keine Garantie.

Auf Weltumarmung folgt Ernüchterung. „Wie konnte ich nur so blind sein?“, „Warum hast du mich nicht gewarnt?“, „Wie konnte ich mich nur so in ihm täuschen?“. Auf das Liebestaumeln folgen Kleenex im Dauerabo. Das Gefrierfach wird wegen Überfüllung mit blauen Gel-Augen-Masken geschlossen. Das Wörterbuch landet im Papiermüll.

Endstation Kontaktlinse.

Kein Grund zu verzweifeln. Die nächste Brillensaison folgt bestimmt. Doch diesmal besser mit Optikerbesuch. Der soll doch bitte eine Inschrift in die rosaroten Gläser gravieren: Sei vorsichtig. Er ist auch nur ein Mensch!

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