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Adoptionssucht

Es ist eine heute weit verbreitete Ansicht, Männer und Frauen würden sich wie Männer und Frauen verhalten, weil sie sich schon zu Urzeiten wie Männer und Frauen verhielten. Die in der Steinzeit angelegten Verhaltensmuster sollen auch im Jahr 2010 noch unseren Umgang mit der Welt und mit einander bestimmen. Ganz zu schweigen von der Buttersuche. Die nämlich ist das Paradebeispiel für diese Theorie, es heißt, der Mann finde die Butter im Kühlschrank nicht, weil er früher jagen mußte, weshalb er seinen Blick fokussieren, aber nicht schweifen lassen könne. Ich stelle mir da dann immer vor, wie ich so als Steinzeitmensch einem Mammut gegenüberstehe, den Holzspeer hochreiße und dann – dann muß ich natürlich ganz genau zielen, denn so ein Mammut, das trifft man nicht einfach, wenn es fünf Meter vor einem steht, da wäre man verloren, hätte man nicht die genetische Disposition zum Scharfschützen … Grober Unfug, diese Theorie! Oder etwa nicht?
Die Frauen in meiner Umgebung haben alle, alle, alle das gleiche Hobby, sie adoptieren Gegenstände, die vernünftigerweise entsorgt gehörten. Da wird vielerlei gesammelt: Tassen, Tische, Lampen, Kommoden, Stühle, Vasen, und eine der Damen sammelt auch mal halbgegessenes Gemüse unter ihrem Bett (ja, das Letzte gehört nun nicht unbedingt zum hier angesprochenen Phänomen, aber es ist wahr, und es ist skurril, und also wollte ich es unbedingt erwähnt haben). Besonders bunt treibt es eine mir bekannte Zwei-Frauen-WG, in deren Wohnzimmer nun eine kaputte alte Stehlampe, eine funktionierende, aber dafür häßliche und noch ältere Stehlampe, eine Gründerzeit-Kommode, eine Stereoanlage aus den späten 70ern, eine ebensolche aus den frühen 70ern nebst dazugehörigem Sideboard und noch allerlei kleinere Staubfänger eine wilde Party feiern. Übrigens sind das nur die Partygäste, die vorm Sperrmüll gerettet wurden, natürlich stehen auch noch ganz ordinär gekaufte, zeitgemäße Möbel herum. In den anderen Zimmern sieht es auch nicht anders aus, und so langsam haben die Mädels ein Platzproblem. Aber das gerade erst gerettete Sideboard ist doch viel zu schön, als daß man es nicht adoptieren müßte, die Kommode ist eben auch einfach zu schade für das Exil im Keller, und schließlich die Lampen sind so individuell und mit Charakter ausgestattet. Was also macht man? Man schiebt alle Möbel so lange durch das Zimmer, bis ein jedes dann doch wieder einen Platz gefunden hat, an dem es halbwegs zur Geltung kommt und die Kreise der Zimmergenossen nicht allzu sehr stört. Das macht man. Das mache ich. Das mache ich abends um elf, obwohl ich nur zum gepflegten, gemeinsamen Betrinken eingeladen wurde.
Und auf dem Heimweg frage ich mich dann: War das schon immer so? Den ganzen langen Heimweg durch die Stadt frage ich mich das. Mit dieser Frage gehe ich ins Bett, sie begleitet mich in meine Träume. Ich träume von einer Steinzeitfrau. Die Steinzeitfrau sitzt in ihrer Höhle, blickt auf einen alten, abgenutzten Mahlstein und denkt sich: „Wo soll ich nur Omas alten Mahlstein hinstellen? Aber zum Wegwerfen war er doch wirklich zu schade. Klar, ich hab‘ schon den von Tante Ursula kaum untergebracht, aber diese alten Mahlsteine sind halt echte Schmuckstücke, die muß man doch einfach behalten. Gut, ich habe auch noch meinen eigenen, den ich bei dieser schwedischen Sippschaft ein Tal weiter günstig eingekauft habe, aber die beiden alten sind ja auch eher Deko-Elemente, zum Benutzen sind die ja gar nicht gedacht. Aber wo stelle ich nur Omas Mahlstein jetzt hin? Ich brauche eine größere Höhle …“
Grober Unfug? Wahrscheinlich. Aber warum sonst macht Ihr Mädels das?

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