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Die Trauzeugin

“Du musst übrigens mein Strumpfband versteigern. Aber ich gebe dir dann noch ein paar tolle Tipps, wie du da auch richtig verdienst.“

Ich gestehe: Ich bin 27, nicht verheiratet, kinderlos, frisch verliebt. Und ich bin Trauzeugin.

Wie konnte mir das nur passieren. Und überhaupt: Was macht eine Trauzeugin?

Traut man dem Gesetz, sind wir, die Trauzeugen, völlig überflüssig. Man braucht uns nicht mehr. Wir sind unnütz.

Traut man den Menschen im Hochzeitswahn, reichen unsere Aufgaben vom Überreichen der Ringe, über die Planung einer einmaligen Feier, bis hin zur Paartherapie in schlechten Zeiten.

Und ich: Ich habe mir natürlich in den Kopf gesetzt, meinem Schwesterherz, der Braut, eine unvergessliche Feier ohne allzu große Peinlichkeiten, aber mit viel Stil und feuchten Augen, aber bitte kitschfrei, zu bieten.

Ohne Kitsch. Das hätte ich vielleicht auch ihr  sagen sollen. Naja, ich werde bei der Feier dann schon klar stellen, dass die überromantischen „Aaaaaaaaaaaa“ und „Oooooooooohhh“-Momente nicht auf mein Trauzeuginnenkonto gehen.

Ich, liebe Feiergemeinde, werde euch das Geld aus der Tasche ziehen und euch den letzten Atem rauben. Ich werde für die „Gnihihi“- und „Rofl“-Momente verantwortlich sein. Und hoffentlich auch für das Strahlen in den Augen meiner Schwester.

Ich bin 27, frisch verliebt und furchtbar stolz, diesen Tag für meine Schwester mitgestalten zu dürfen. Und ein Teil dieser Ehe zu werden.

Jahaha Schwesterherz, das hättest du dir vorher überlegen müssen! 😉

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Und plötzlich ist alles anders. Nur ein Abend. Ein Blick. Eine Flut an Blicken. Das erste Lächeln. Das erste ausgetauschte Wort. Das erste weggeschnappte Bier. Das erste verlorene Kickerspiel.

Und plötzlich fragst du dich, warum dir dieser Mensch nicht schon vor einem Jahr über den Weg gelaufen ist. Warum du auf dieses innerliche Verrücktwerden vor Unfassbarkeit so lange warten musstest. Wie es sein konnte, dass ihr seit anderthalb Jahren in der gleichen Stadt lebt, sich eure Augen aber noch nie getroffen haben. Wie ihr in den letzten anderthalb Jahren überhaupt in dieser Stadt leben konntet, ohne ständig von dem Gefühl begleitet zu werden: Da kommt was ganz großes auf mich zu.

Und plötzlich trägst du sie selbst. Die Gläser in Prinzessinnenfarbe. Und du kannst es nicht fassen. Nicht fassen, dass dir ein Mensch so vertraut ist, den du eigentlich noch gar nicht kennen dürftest. Das plötzlich ein anderer Mensch jeden deiner Gedanken bestimmt. Und er dich wahnsinnig macht. Wahnsinnig vor Glück, wenn er bei dir ist. Wahnsinnig vor Sehnsucht, wenn er dir einen Abschiedkuss gibt. Wahnsinnig vor Leben, weil du ihn treffen durftest. Weil du ihn kennen lernen darfst. Weil du ihn an deiner Seite haben darfst. Wahnsinnig vor Unbegreiflichkeit, weil du den Sternen auf einmal so nah bist…

Adoptionssucht

Es ist eine heute weit verbreitete Ansicht, Männer und Frauen würden sich wie Männer und Frauen verhalten, weil sie sich schon zu Urzeiten wie Männer und Frauen verhielten. Die in der Steinzeit angelegten Verhaltensmuster sollen auch im Jahr 2010 noch unseren Umgang mit der Welt und mit einander bestimmen. Ganz zu schweigen von der Buttersuche. Die nämlich ist das Paradebeispiel für diese Theorie, es heißt, der Mann finde die Butter im Kühlschrank nicht, weil er früher jagen mußte, weshalb er seinen Blick fokussieren, aber nicht schweifen lassen könne. Ich stelle mir da dann immer vor, wie ich so als Steinzeitmensch einem Mammut gegenüberstehe, den Holzspeer hochreiße und dann – dann muß ich natürlich ganz genau zielen, denn so ein Mammut, das trifft man nicht einfach, wenn es fünf Meter vor einem steht, da wäre man verloren, hätte man nicht die genetische Disposition zum Scharfschützen … Grober Unfug, diese Theorie! Oder etwa nicht?
Die Frauen in meiner Umgebung haben alle, alle, alle das gleiche Hobby, sie adoptieren Gegenstände, die vernünftigerweise entsorgt gehörten. Da wird vielerlei gesammelt: Tassen, Tische, Lampen, Kommoden, Stühle, Vasen, und eine der Damen sammelt auch mal halbgegessenes Gemüse unter ihrem Bett (ja, das Letzte gehört nun nicht unbedingt zum hier angesprochenen Phänomen, aber es ist wahr, und es ist skurril, und also wollte ich es unbedingt erwähnt haben). Besonders bunt treibt es eine mir bekannte Zwei-Frauen-WG, in deren Wohnzimmer nun eine kaputte alte Stehlampe, eine funktionierende, aber dafür häßliche und noch ältere Stehlampe, eine Gründerzeit-Kommode, eine Stereoanlage aus den späten 70ern, eine ebensolche aus den frühen 70ern nebst dazugehörigem Sideboard und noch allerlei kleinere Staubfänger eine wilde Party feiern. Übrigens sind das nur die Partygäste, die vorm Sperrmüll gerettet wurden, natürlich stehen auch noch ganz ordinär gekaufte, zeitgemäße Möbel herum. In den anderen Zimmern sieht es auch nicht anders aus, und so langsam haben die Mädels ein Platzproblem. Aber das gerade erst gerettete Sideboard ist doch viel zu schön, als daß man es nicht adoptieren müßte, die Kommode ist eben auch einfach zu schade für das Exil im Keller, und schließlich die Lampen sind so individuell und mit Charakter ausgestattet. Was also macht man? Man schiebt alle Möbel so lange durch das Zimmer, bis ein jedes dann doch wieder einen Platz gefunden hat, an dem es halbwegs zur Geltung kommt und die Kreise der Zimmergenossen nicht allzu sehr stört. Das macht man. Das mache ich. Das mache ich abends um elf, obwohl ich nur zum gepflegten, gemeinsamen Betrinken eingeladen wurde.
Und auf dem Heimweg frage ich mich dann: War das schon immer so? Den ganzen langen Heimweg durch die Stadt frage ich mich das. Mit dieser Frage gehe ich ins Bett, sie begleitet mich in meine Träume. Ich träume von einer Steinzeitfrau. Die Steinzeitfrau sitzt in ihrer Höhle, blickt auf einen alten, abgenutzten Mahlstein und denkt sich: „Wo soll ich nur Omas alten Mahlstein hinstellen? Aber zum Wegwerfen war er doch wirklich zu schade. Klar, ich hab‘ schon den von Tante Ursula kaum untergebracht, aber diese alten Mahlsteine sind halt echte Schmuckstücke, die muß man doch einfach behalten. Gut, ich habe auch noch meinen eigenen, den ich bei dieser schwedischen Sippschaft ein Tal weiter günstig eingekauft habe, aber die beiden alten sind ja auch eher Deko-Elemente, zum Benutzen sind die ja gar nicht gedacht. Aber wo stelle ich nur Omas Mahlstein jetzt hin? Ich brauche eine größere Höhle …“
Grober Unfug? Wahrscheinlich. Aber warum sonst macht Ihr Mädels das?

Sie ist wohl das heiß begehrteste Accessoire des Frühlings. Wer sie trägt, hat ein wahres Schnäppchen gemacht. Denn sie gibt es nur im Paket zu kaufen. Im Paket mit zufriedenem Lächeln, Augen, die mehr strahlen als die Frühlingssonne und einem Teint, der immer etwas leuchtender aussieht als normal: die rosarote Brille.

Aber wie viel Must Have steckt wirklich in den Gläsern mit Prinzessinenfarbe?

Keine Frage, sie sieht toll aus. „Ich hab einfach kein Brillengesicht.“ – Dieser Satz war gestern. Das rosarote Prachtstück verschönert einfach jeden. In Kombination mit der neu gewonnenen, zum Quietschen glücklichen Ausstrahlung, steht der Modelkarriere des Brillenbesitzers nichts mehr im Weg.

Also tolles Aussehen für die Ewigkeit? Mitnichten!!!

Die traurige Wahrheit: Die rosarote Brille ist ein Blender!

Ehemalige Träger berichten von unerklärlichen Sinnestäuschungen und Verhaltensveränderungen. Körperproportionen anderer Menschen können plötzlich nicht mehr richtig eingeschätzt werden. Die Fähigkeit scheinheilige Ausreden zu entlarven, geht mit Aufsetzen des Designerstücks anscheinend vollkommen verloren. Der gesunde Menschenverstand beim Treffen von Entscheidungen scheint oftmals regelrecht ausgeschalten zu sein. Wörter wie „Pessimismus“, „Bedenken“ und „Vorsicht“ sind in den Wortschätzen der Brillenträger von einem Tag auf den nächsten nicht mehr vorhanden. Gelöscht von der Festplatte. Ersetzt durch vermeintliche Boten des Glücks. „Traumprinz“, „Mr. Big“, „zukünftiger Ehemann“, „Vater meiner Kinder“, „Umzugsunternehmen“ und „Ikea“ nisten sich wie Viren in das tägliche Vokabular ein. Warnungen von Freunden werden verächtlich als Neid entlarvt. Happy-Go-Lucky. Nichts bringt den Brillenträger dazu, über Bord des Traumschiffes der Liebe zu gehen.

Fast nichts.

Trüb. Trübheit wohin das Auge reicht. – Die Lebensdauer der Gläser des Glücks ist enttäuschend. Kaum existent. Umtausch ausgeschlossen. Keine Garantie.

Auf Weltumarmung folgt Ernüchterung. „Wie konnte ich nur so blind sein?“, „Warum hast du mich nicht gewarnt?“, „Wie konnte ich mich nur so in ihm täuschen?“. Auf das Liebestaumeln folgen Kleenex im Dauerabo. Das Gefrierfach wird wegen Überfüllung mit blauen Gel-Augen-Masken geschlossen. Das Wörterbuch landet im Papiermüll.

Endstation Kontaktlinse.

Kein Grund zu verzweifeln. Die nächste Brillensaison folgt bestimmt. Doch diesmal besser mit Optikerbesuch. Der soll doch bitte eine Inschrift in die rosaroten Gläser gravieren: Sei vorsichtig. Er ist auch nur ein Mensch!

Es passiert mir immer wieder: Ich werde von schlechter Laune befallen. Viel zu häufig beschleicht sie mich bereits heimtückisch im Schlaf und ich wache schon mit ihr auf. Sollte mal das Gegenteil der Fall sein, lass ich mir meine gute Laune garantiert viel zu leicht verderben. Durch unfreundliche Menschen in der U-Bahn („Ich bin kein Dominostein!“). Dinge die einfach nicht klappen wollen („Das CMS hat einfach was gegen mich!“) oder durch Menschen, die mich persönlich angreifen („Nimm das jetzt nicht persönlich, aber…“).

Doch ich habe mein eigenes Rezept entwickelt, die ungeliebten Gefühlsverderber zu entsorgen: Ich zaubere sie weg!

Wie? Ganz einfach. Mit meinem „Zauberwort des Tages“. So kann es schon mal passieren, dass ich den netten Kollegen darum bitte, jedes Mal „Kirschblüten“ zu mir zu sagen, wenn sich meine Gesichtsfarbe von vornehm Blass zu fruchtig Erdbeerrot verwandelt (Ein großes Dank noch mal an den Wortspender!). Sehr beliebt ist auch „Würmchen“, der Kosename des kleinen Wesens, das ich in ein paar Monaten Nicht oder Neffe nennen darf. Weniger Erfolg versprechen hingegen vermeintliche Zauberwörter wie Handtasche, Traummann oder Kontostand. Pfui. Pfui. Pfui. Würmchen. Würmchen. Würmchen.

Und so zaubere ich mich neuerdings mit fantastischen Wörtern durch den Tag. Wollen selbst die nicht mehr helfen, verspricht der „Zaubersong des Tages“ in Dauerschleife meist glücklicherweise doch noch einen spontanen Anfall von Mundwinkelerhebung. Absoluter Dauerbrenner ist da zur Zeit „Normandie“ von den Shout Out Louds (Achtung: Suchtgefahr!) In mir munkelt man schon, dass er sogar zum „Zaubersong des Monats“ befördert werden könnte. (Wirklich akute Suchtgefahr!)

Und im absoluten Alarmfall, da gibt’s ja Gott sei Dank immer noch den „Zaubertweet des Tages“: „Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhh!!!!!!“

Und, was zaubert ihr so?

Ein Facebook-Chat im Februar:

Bettina: Ich will im Urlaub nach Paris und find keinen, der mit will

Ich: Ich war noch nie in Paris…

Bettina: willste mit?

Ich: Ah! Wink verstanden

Und also fuhren Bettina und ich nach Paris. Einfach so. Aus einer Facebook-Spinnerei heraus.
Eine weitere Spinnerei brachte mich dazu, ihr zum Geburtstag ein Champagner-Picknick an der Seine zu schenken, ganz gegen meine sonstigen Picknick-Gewohnheiten, denn im allgemeinen bin ich eher für Rotwein zu haben (und für Frauen, die Rotwein mehr denn Champagner schätzen). Aber wenn man schon aus einer Laune heraus nach Paris fährt, dann kann man auch aus einer Laune heraus Champagner an der Seine trinken. Manchmal macht es einfach Spaß, Klischees zu erfüllen.
Und wenn man schon dabei ist, so kann man auch dabei  bleiben, und also dachte ich, ich mache mir ein Spiel aus alle dem, aus Paris, dem Champagner, der Seine und Bettina. Diese Überlegung geriet mir leicht, denn Bettina ist ein sehr, sehr hübsches Mädchen mit feinen Gesichtszügen, einer zierlichen Figur und einem entzückenden Busen. Daß sie mir in dem halben Jahr, das wir uns kennen, nebenbei zu einer wirklich guten Freundin geriet, störte meinen Gedankenfluß nicht weiter. Hingegen, daß wir in dem halben Jahr, das wir uns kennen, des öfteren miteinander flirteten, stachelte meinen Spieltrieb an.
Nun muß man aber, wenn man ein Spiel spielt, es auch ernst betreiben, ein Spiel, bei dem alle Beteiligten so handeln, als wüßten sie, daß es nur ein Spiel ist, befriedigt kein bißchen, der heilige Ernst spielender Kinder ist das Vorbild, an dem sich jeder Spieler ausrichten sollte, finde ich. Ich folge zumeist meinen eigenen Ansichten, weshalb ich also in Paris mit Bettina flirtete, wie ich noch nie mit ihr geflirtet hatte, alles mit dem Ziel, sie zu verführen (übrigens nicht nur körperlich, denn reine Körperlichkeit finde ich witzlos, das wäre nicht gerade großer Sport, man lese hierzu das „Tagebuch des Verführers“). Außerdem kaufte ich vorsorglich zwei Flaschen Champagner, denn mir mit meinen 82 kg und etwas unsoliden Trinkgewohneiten macht eine Flasche nicht viel aus, sie aber, so meine Schätzung, sollte nach einer Flasche eigentlich recht gut abgefüllt sein.
Nun ja, mein Plan ging nicht auf. Zwar mühte sie sich redlich, mir eine gute Mitspielerin zu sein, allein: Ihre Gedanken waren anderswo, bei einem Kerl, der nun gar nicht meinen Charme und meinen Esprit hat, aber dafür leider ihr Herz. Wer jetzt, in einer solchen Situation das Spiel noch zum geplanten Ende führen kann, muß zweierlei Eigenschaften in sich vereinen: Er muß ein unwiderstehlicher Don Juan sein und von jetzt auf gleich vergessen können, daß das Mädchen, das da neben ihm sitzt, eine gute Freundin ist.  Oder deutlicher: Er muß ein unwiderstehlicher Don Juan und ein Arschloch sein. Ob ich nun Arschloch genug bin, ist unerheblich, denn ein Don Juan bin ich nicht, und damit ist das Spiel für mich nicht zu retten. Es bleibt, das Handtuch zu werfen, sich einigermaßen aufrecht aus dem Ring zu stehlen und auf den Rückkampf zu hoffen – in Florenz vielleicht, vielleicht auch nur am Münchner Königsplatz, sicher aber diesmal mit Rotwein.

Können Männer und Frauen einfach nur befreundet sein?

Hah! Generation um Generation stellt sich diese Frage. Männer berufen sich bei der vermeintlich einzig wahren Antwort auf „Harry und Sally“. Frauen können zur Not immer noch auf ihren schwulen besten Freund ausweichen.

Nein trifft Ja. Und wer hat Recht?

Die einzig wahre Antwort gibt es…natürlich nicht hier. Aber meine Antwort zumindest. Und vielleicht kann sich eure Antwort ja ein kleines Beispiel an ihr nehmen?

Schauplatz:
Paris, Quai d’Austerlitz, genauer gesagt, das Seine-Ufer unterhalb.

Bühnenbild:
Eine Decke, zwei leere Champagnerflaschen, Baguettekrümel, Käserinde, Salamihaut, Zigarettenkippen, Erdbeerblüten.

Darstellende:
Ihr bester Freund und ihre Wenigkeit.

Prolog:
Aus einer Spinnerei heraus sind sie und er für ein extra langes Wochenende in der Stadt der Liebe gelandet. Nur ein paar Tage nach ihrem Geburtstag. Er, ein Mann vor den besten Jahren, der sich vorgenommen hat ihr die Welt zu Füßen zu legen. Sie, eine Frau, die sich laut ihm nicht mehr Mitte 20 nennen darf, und seit Monaten in Liebeskummer schwelgt. Paris – die Chance, sie in die Welt der Glücklichen zurückzuführen.

1. Akt:
Die perfekte Wiese ist gefunden. Die Decke wird in elegantem Schwung auf die frühlingsfrischen Grashalme geschwungen. der Champagnerkorken knallt.

2. Akt:
Die Erdbeeren werden zusammen mit dem Champagner vernascht, denn erst dann entfaltet sich ihr wahres Aroma. (Schmacht. Richard, du bist immer an unserer Seite!) Die Blicke der Darstellenden treffen sich. Er grinst. Sprüht vor Charme. Seine Komplimente bringen Eis zum Schmelzen. Sie lächelt ihn an, grinst, lacht, trinkt, plappert, genießt, schwelgt, träumt, schmachtet – doch die Augen bleiben leer.

3. Akt:
Seine Hand wandert langsam um ihre Taille, zieht sie ein Stück zu sich heran, streicht ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Und: Machtlosigkeit. Ihre Tränen sind stärker als die Ausstrahlung der Stadt. Er traut sich nicht sie wegzuwischen. Sinnlos. Sie werden trocknen. Sie müssen trocknen. Sie müssen trocknen….

Doch nicht in Paris. Nicht durch seine Hand. Doch durch seine Worte.

Epilog:

Die Decke schwingt. Gebrochene Grashalme fallen von ihr hinab. Die Champagnerflaschen landen im Müll. Sie hinterlassen zwei grinsende und glucksende Gestalten. Die sich kichernd die unmöglichsten Geschichten, Gedanken, Träume erzählen. Sich in den Arm nehmen. Angrinsen. Schubsen.

Sind es Harry und Sally? Wer weiß? Es sind sie und ihr bester Freund. Es sind sie, ihr bester Freund und irgendwie auch Paris. Und irgendwie auch ihr Liebeskummer. Aber nicht ihrer. Sondern ihrer. Und der Beweis, dass es Freundschaft zwischen Mann und Frau gibt.